Kommunikationshilfe & Mindset im Forum

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Weltenwanderer
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Kommunikationshilfe & Mindset im Forum

Beitrag von Weltenwanderer » 4. April 2018, 17:12

Kommunikationshilfe & Mindset im Forum


Das Vier-Ohren-Modell, ein Kommunikationsmodell für ein besseres Miteinander im Forum und außerhalb:

Nach Schulz von Thun redet und hört jeder Mensch mit vier Zungen und vier Ohren (und schreibt/liest entsprechend).

Jeder Satz, jede Unterhaltung wird also auf vier verschiedenen Ebenen ausgedrückt und wahrgenommen.

- Die Sacheebene
Daten und Fakten als Sachaussage, worüber informiere ich.


- die Beziehungsebene
Wie stehen Empfänger und Sender zueinander / Was hält der Sender vom Empfänger. Wenn ein Empfänger eine Nachricht besonders auf dem Beziehungsohr hört, kann er sich kritisiert oder wertgeschätzt fühlen.


- die Selbstoffenbarungsebene (Selbstdarstellung/-positionierung; Selbstenthüllung)
Wie stelle ich mich dar, was gebe ich von mir preis. Implizite Aussage über Werte, Ansichten, Emotionen, Bedürfnisse. Diese Ebene ist dem Sender oftmals nicht klar - jeder Sender zeigt jedoch, sobald er etwas sagt/schreibt, etwas von seiner Persönlichkeit. Dieses kann auch bewusst beeinflusst werden. z.B. wenn jemand ein bestimmtes "Image" haben möchte und sich entsprechend äußert.


- die Appellebene

Was wünscht sich der Sender vom Empfänger, wozu möchte er ihn veranlassen. Das können an den Empfänger gerichtete Befehle, Bitten, Ratschläge etc. sein. Es wird also versucht Einfluss zu nehmen.
Wenn wir miteinander kommunizieren, werden nicht alle Ebenen eines Satzes wahrgenommen. Jeder Mensch "hört auf einem Ohr besonders gut". Wenn ein Sender etwas auf der Sachebene aussendet bzw. aussenden möchte, dann kann der Empfänger dieses komplett anders empfangen, z.B auf der reinen Appellebene (Typisches Beispiel: Aussage auf der Sachebene "Die Ampel ist grün.". Empfänger hört jedoch mit dem Appell-Ohr "Los, gib Gas!". )

Wie etwas empfangen wird, kann abhängig von der Formulierung der Aussage des Senders sein (Klarheit),
von der Tagesform des Empfängers (Toast verbrannt, Auto sprang nicht an, alles doof)
und wenn es keine virtuelle, sondern face-2-face Kommunikation ist, dann sehr stark von nonverbalen Zeichen (Mimik, Gestik).


Bei zwischenmenschlicher Kommunikation lässt sich merken: Eine gesandte Aussage kommt NIE genau so bei dem Empfänger an, wie sie ausgesendet wurde. Es gibt keine 100%ige Übereinstimmung (dafür müssten Sender und Empfänger quasi kollektiv ihre Gedanken verschmelzen können).
Beispiel:

Angenommen jemand schreibt zu einer Diskussion "Das was xyz schreibt klingt sehr esoterisch":

Der Schreiberling (Sender) könnte z.B. folgendes damit meinen:
Sachebene: Xyz schreibt über ein Themengebiet, welches mit derzeitigen wissenschaftlichen Methoden nicht nachvollziehbar oder belegbar ist.
Beziehungsebene (Wir /Du) : Hätte ich mal dieses Themengebiet gestartet, xyz ist immer so unpräzise.
Selbstoffenbarungsebene: Ich brauche Fakten, um mich bei einem Thema sicher zu fühlen. / Unbekanntes, nicht greifbares ängstigt/verunsichert mich oder erschüttert mein Weltbild. / Ich halte nichts von diesem Themengebiet. // Ich kann mit dem Thema noch nicht so viel anfangen, bin jedoch sehr neugierig, vielleicht erzählt mir xyz mehr.
Appellebene: Hey, kein Eso-Geschwurbsel, bitte mehr belegtes Wissen! // Hey, erkläre mir das bitte etwas präziser!


Person Xyz (Empfänger) hört die Nachricht auf der:

Sachebene: Das ist ein Themengebiet, welches mit derzeitigen wissenschaftlichen Methoden nicht nachvollziehbar oder belegbar ist.
Beziehungsebene: Der Sender denkt ich sei ein Spinner. / Der Sender hat immer etwas an mir auszusetzen./ Der Sender ist nie zufrieden mit meinen Kommentaren.
Selbstoffenbarungsebene: Der Sender hat keine Ahnung von den Thema. / Der Sender hat so eine Erfahrung noch nicht erlebt. / Der Sender hat Vorurteile. // Der Sender kennt sich damit nicht aus und möchte mehr darüber erfahren.
Appellebene: Unterlass deine Eso-Kommentare lieber! // Kannst du mir mehr davon berichten?
Wie hilft uns das nun weiter:

Angenommen, ihr lest etwas und das Gelesene löst direkt Grummeln und Mismut aus. Was ist passiert? Das Gelesene wurde auf einer bestimmten Ebene wahrgenommen. Was jedoch nicht klar ist, ob der Schreiber auch diese Ebene (und die verstandene Bedeutung) meinte!

Unstimmigkeiten entstehen vor allem, wenn sehr gerne mit dem Beziehungsohr gehört wird. Also Aussagen persönlich genommen werden.

Anregung:
  • Der Sender versucht sich vor dem Schreiben klar zu machen, mit welcher Zunge er reden möchte (habe ich ein Appell für die anderen? Möchte ich auf ein Problem hinweisen und sachlich darüber informieren?).
  • Die Empfänger machen sich ALLE VIER Ebenen beim Zuhören/Lesen bewusst.
    Wenn also jemand etwas liest und dieses in den falschen Hals bekommen sollte, ist es hilfreich sich die vier Ebenen vor Augen zu führen und sich selbst zu fragen: Auf welcher Ebene habe ich das Gelesene gerade verstanden? Auch hilfreich: sich der eigenen momentanen Laune bewusst zu werden (bin ich immer noch schlecht drauf und genervt, weil das Auto nicht angesprungen ist und in die Werktstatt muss?).
Um das Beispiel von oben noch einmal zu nehmen:
Wenn der Sender eigentlich nur sagen wollte, dass für ihn das Thema nicht greifbar ist und er mehr erfahren möchte, hätte er statt "Das was xyz sagt klingt sehr esoterisch" eine andere Wortwahl und Formulierung nehmen können. Das Wort Esoterik hat eine stark negative Konnotation, der Beiklang des Wortes in unserem Sprachraum ist also eher negativ.
Der Sender hätte z.B. deutlicher schreiben können "Das was xyz sagt, klingt für mich nicht greifbar - xyz kannst du mir das erklären oder helfen diese Sichtweise nachzuvollziehen?".
Oder wenn der Sender bewusst das Wort "esoterisch" eingesetzt hat, weil er sich der negativen Konnotation bewusst ist und das Geschriebene für Quatsch hält, dann wäre es deutlicher gewesen zu schreiben: " Das was xyz schreibt ist nicht nachvollziehbar/ ergibt keinen Sinn, weil..."

Der Empfänger könnte die Situation entschärfen, indem er bei dem Sender direkt nachfragt: " Was bedeutet esoterisch für dich und was an meinem Beitrag hat dich zu der Antwort veranlasst?" Oder, wenn es gar nicht verständlich erscheint, dann kann auch direkt auf das Vier-Ohren-Modell hingewiesen werden "Du, irgendwie kommt deine Nachricht bei mir nur auf dem...Ohr an, was genau möchtest du mir mit deiner Aussage mitteilen?".

Das Vier-Ohren-Modell kann also helfen, Kommunikationssituationen zu verstehen und ggf. zu entschärfen.


~~~~~~~~~~


Mindset-Übung:

Angenommen, es ist jedoch passiert und zwei haben sich verkracht. Mr./Mrs. Ichweißallesbesser und Mr./Mrs. Eso-Geschwurbsel gehen sich an den Kragen.
Hier gibt es eine schöne Mindset-Übung, die etwas Perspektive in die Situation bringt.
Frei nach Coach Birkenbihls Motto "Verzeih deinem Gegenüber, er hatte vermutlich nur einen unglaublich schlechten Tag!"
Wer Birkenbihl noch nicht kennt und sich derzeit mit dem Thema MINDSET auseinandersetzt und z.B. wissen möchte, wie man mit Gegenwind/gehässigen Kommentaren etc. konstruktiv umgehen kann, hier ein Link zu einem neunminütigen Vortrags-Ausschnitt aus dem Seminar "Gerhirn-gerechte Einführung in die Gelotologie (Wissenschaft über die Auswirkungen des Lachens). Oder: Die Rolle von Humor in unserem Leben."
https://www.youtube.com/watch?v=LtPZ3gKAZs0
In dem kurzen, sehr lustigen, Ausschnitt stellt Birkenbihl u.a. das kleine und große Relativitätsprinzip der Psyche dar, zwei wahnsinnig gute Mindset-Methoden:
Das kleine Relativitätsprinzip der Psyche nach Birkenbihl:
Erschafft euch einen Fixstern im Leben. Das ist das große Ziel/Element welches über allem steht. Für einige kann das z.B. ein Gott/eine Religion sein, für andere der große Wunsch sich zu optimieren, das Beste aus sich zu machen, sein Potential zu nutzen etc.
Beispiel: ihr werdet angepflaumt oder wollt selbst euren Senf zu irgendeiner Sache dazugeben, dann stellt euch vorher die Frage "Bringt mich dieses Verhalten in Bezug auf meinen Fixstern weiter?". Vermutlich eher nicht (es sei denn eurer großer Stern wäre der Wunsch "Meister der Rhetorik" zu werden und ihr lasst keine Gelegenheit aus, um euch zu testen und zu messen...;))
Birkenbihl zeigt in dem Video eine verständliche Zeichnung und Anekdote, die das Prinzip sehr schön und lustig veranschaulicht.


Das große Relativitätsprinzip der Psyche: Hier bezieht sich Birkenbihl auf Carlos Castanedas. Stellt euch vor auf eurer linken Schulter sitzt der Tod. Wie ein dort hockender Vogel begleitet er uns ständig im Leben, wir beachten ihn nur nicht. Wenn ihr euch über jemanden/etwas aufregt, ihr ein Problem habt, nicht weiter kommt oder was auch immer, dann fragt den Tod. Er wird dem Ganzen wieder Perspektive geben. Z.B. " Wenn ich in sechs Wochen stürbe, würde ich dann auch noch diesen Streit anfangen? Oder einen gehässigen Kommentar schreiben? Würde ich meine Energie in diesen Streit/diese Situation investieren?"

Fällt es schwer, sich das eigene Ende vorzustellen, dann gibt Birkenbihl den Tipp, die Lage einfach umzukehren:
"Wenn die Person, die dich aufregt in wenigen Wochen stürbe, würdest du dann immer noch diesen gehässigen Kommentar loslassen? Oder dich so aufregen? Oder deine Energie investieren?" Vermutlich eher nicht.
Verzeihen und Toleranz fällt bei einer solchen Vorstellung sehr viel einfacher. Die Situation wurde relativiert, in der Perspektive zurechtgerückt.

Auf ein gutes Miteinander!🌞
~ where your intention goes, energy flows ~

Imtu
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Re: Kommunikationshilfe & Mindset im Forum

Beitrag von Imtu » 4. April 2018, 17:57

Das ist sehr gut veranschaulicht. Das hab ich in der Ausbildung auch gelernt.
Ist nur im Eifer des Gefechts nicht immer so einfach.

Aber es wäre schön, wenn wir alle darauf achten, wenn was in die falsche Richtung geht, nochmal auf diesen Text zu gucken oder auch als Außenstehender auf ihn hinzuweisen.

LG
Imtu
Fadenspinnerin und Ökotussi

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Caitriona Raven
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Re: Kommunikationshilfe & Mindset im Forum

Beitrag von Caitriona Raven » 24. April 2018, 11:46

Die Vorstellung mit dem Tod auf der linken Schulter finde ich sehr gut!
Vielen Dank! Das hat mir bereits einmal in einer kürzlichen Auseinandersetzung mit jemandem schon sehr geholfen :-)
Wenn man sich wirklich mal vorstellt, daß das Gegenüber oder man selber in einigen Wochen nicht mehr ist und man dann die vielleicht nur in der ersten Wut gesprochenen Worte nicht mehr zurück nehmen kann... das ist ja ein Punkt, wo man sehr drunter leiden kann, wenn es dann "zu spät" ist. Ebenso allerdings auch darunter, wenn man etwas nicht mehr getan hat - wie z.B. einer lieben Person einmal zu sagen, daß man sie lieb hat...
Wir haben da beim Schießen ein Sprichwort zu, welches auch gut paßt: Ist die Kugel erstmal aus dem Lauf, dann hält sie nichts und niemand wieder auf! So ist das mit unbedacht gesprochenen Worten ja auch.
Oft hilft auch die Technik Mund halten und erst einmal bis minimal zehn zählen... manchmal sehr schwierig, wenn's persönlich wird oder man sich angegriffen fühlt.
Aber, mal versuchen... lohnt sich!

Danke für den Beitrag!
Caitriona Raven
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